Lynchjustiz-Aufruf in Emden: 18-Jähriger muss in Arrest
Mittwoch 30 Mai 2012 - 17:43
Wegen eines Aufrufs zur Lynchjustiz im Zusammenhang mit dem Mord an der elfjährigen Lena aus Emden ist ein 18-Jähriger zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt worden. Das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Emden verwarnte den jungen Mann zudem. Der Angeklagte hatte gestanden, Ende März nach der Festnahme eines Verdächtigen, der sich später als unschuldig erwies, über das Internet-Netzwerk Facebook zur Erstürmung der Polizeiwache in Emden aufgerufen zu haben. Rund 50 wütende Menschen waren damals dem Appell gefolgt.Der 18-Jährige musste sich wegen des öffentlichen Aufrufs zu einer Straftat verantworten. Er habe in der Verhandlung gestanden, den Aufruf verbreitet zu haben, sagte der Direktor des Gerichts, Otto Hüfken. Schon in seinen früheren Vernehmungen hatte er sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft "sehr betroffen" über die Folgen seines Handelns geäußert und alle Beteiligten um Entschuldigung gebeten. Er habe sich keine Gedanken über die Tragweite gemacht, hatte die Anklagebehörde mitgeteilt.Der 18-Jährige hatte nach Überzeugung der Richter zu Gewalt aufgerufen, wie Hüfken sagte. Für Gericht und Staatsanwaltschaft gelte: "Wo es um Gewalt geht, geht es nicht ohne Arrest." Das Urteil entsprach der Forderung der Anklage. Es ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat eine Woche Zeit, um Rechtsmittel einzulegen.Nach Hüfkens Angaben wertete das Gericht den Aufruf des 18-Jährigen zu einer Straftat allerdings als nicht erfolgreich. Nach Überzeugung der Richter habe er zwar die ursprüngliche Aufforderung verbreitet, die Polizeiwache zu erstürmen. Für die Dynamik, die zu der Zusammenrottung geführt habe, hätten aber auch andere Nutzer mit ihren Kommentaren beigetragen, so dass der Angeklagte nicht als Verantwortlicher für den Auflauf selbst zu betrachten sei, sagte Hüfken. Andernfalls hätte er eventuell als Anstifter zu Landfriedensbruch oder einer anderen vergleichbaren Straftat deutlich schwerer bestraft werden können.Lena war Ende März in einem Parkhaus in der Emder Innenstadt missbraucht und ermordet worden. Ein 18-Jähriger gestand die Tat. Vor seiner Festnahme hatte die Polizei zunächst einen 17-Jährigen als Verdächtigen festgenommen, ihn aber nach drei Tagen aufgrund neuer Beweise wieder freigelassen. Nach der Festnahme dieses ersten Verdächtigen hatte der nun vor dem Amtsgericht angeklagte 18-Jährige im Internet zur Stürmung der Polizeiwache und zum Lynchmord aufgerufen. Der Zwischenfall löste in Emden und weit darüber hinaus große Bestürzung aus.