Suche nach Schuldigen für lahmes Facebook-Börsendebüt
Donnerstag 24 Mai 2012 - 18:55
Die Suche nach den Schuldigen für das vermasselte Börsendebüt von Facebook geht weiter. Ins Visier geriet der Finanzchef des sozialen Netzwerks, David Ebersman, der dem "Wall Street Journal" zufolge die umstrittene Aufstockung der auszugebenen Aktien im Alleingang entschieden haben soll. Die Zeitung berichtet zudem, dass Facebook darüber nachdenke, der Technologiebörse Nasdaq den Rücken zu kehren.Ebersman habe einen starken Einfluss auf alle wichtigen Entscheidungen während des Börsengangs gehabt und "nicht die Banken konsultiert, wie es viele Unternehmen machen", berichtete das "Wall Street Journal". Noch kurz vor dem Börsengang am vergangenen Freitag hatte Facebook den Ausgabepreis deutlich angehoben und die Zahl der angebotene Aktien um 25 Prozent erhöht.Die Entscheidung des Finanzchefs, die Zahl der Anteilsscheine nach oben zu schrauben, könne den Börsengang "zum Scheitern verurteilt" haben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf rund ein Dutzend Interviewpartner, die an dem Prozess beteiligt gewesen seien. Allerdings habe Ebersman von der beim Börsengang federführenden Bank Morgan Stanley das Signal erhalten, dass die Nachfrage nach den Facebook-Papieren stark sei.Der Aktienkurs des sozialen Netzwerks war an den drei ersten Handelstagen um insgesamt fast ein Fünftel eingebrochen. Am Mittwoch hatte sich die Facebook-Aktie dann ein wenig von ihrer Talfahrt erholt, auch zu Handelsbeginn am Donnerstag legte der Kurs leicht auf 32,69 Dollar zu. Die Papiere waren aber weiter deutlich weniger wert als der Ausgabepreis von 38 Dollar.Als ein Grund für den Absturz galt, dass Facebook und die beteiligten Banken die Nachfrage offenbar überschätzten. Zudem sollen Medienberichten zufolge die mit dem Börsengang betrauten Finanzinstitute kurz vor dem Wall-Street-Debüt von Facebook ihre Gewinnprognosen für das Unternehmen gesenkt, darüber aber nur wenige ausgewählte Kunden informiert haben.Die US-Börsenaufsicht SEC und die Finanz-Kontrollbehörde FINRA befassen sich mit den Vorwürfen, auch der Bankenausschuss des US-Senats hat eine Prüfung angekündigt. Mindestens sechs Anwaltskanzleien strengten im Namen von Investoren Sammelklagen gegen Facebook, Unternehmenschef Mark Zuckerberg und andere Verantwortliche des sozialen Netzwerks sowie die beteiligten Banken ein. Angesichts der hohen Wertverluste der Facebook-Aktie in den ersten Tagen könnten die Schadenersatzforderungen in die Milliarden gehen.Auch die Nasdaq muss sich wegen der technischen Probleme bei dem Börsengang auf ein juristisches Nachspiel gefasst machen. Weil die Computersysteme der Technologiebörse mit der Masse an Aufträgen überfordert waren, hatte der Handel der Facebook-Aktie am vergangenen Freitag mit einer halben Stunde Verspätung begonnen. Ein Finanzinvestor aus dem US-Bundesstaat Maryland klagte, weil der Börsenbetreiber zum Teil über Stunden nicht genau anzeigen konnte, ob Kauf- und Verkaufaufträge für Facebook-Aktien tatsächlich ausgeführt worden waren.Das "Wall Street Journal" berichtete, dass Facebook wegen der Pannen beim Handelsstart an der Nasdaq möglicherweise zum Konkurrenten New York Stock Exchange (NYSE) überlaufen könnte. Mitarbeiter von Facebook und NYSE sollen demnach bereits in Kontakt stehen. Ein NYSE-Sprecher dementierte dies gegenüber der Zeitung aber.